
„Seit einiger Zeit entdecke ich auf meiner Streuobstwiese immer wieder frische Grabstellen“, berichtet VfN-Mitglied und Naturschützer Dr. Hartmut Link. „Ich vermutete zunächst einen Dachs, war mir aber nicht sicher, ob vielleicht doch ein Waschbär der Verursacher war. Mit einer Wildkamera konnte ich das Rätsel schließlich lösen.“
Der kurze Videomitschnitt aus der Gemarkung Rauenberg zeigt eindrucksvoll, dass der Europäische Dachs (Meles meles) bei uns heimisch ist. Obwohl viele Spaziergänger regelmäßig in unseren Wäldern und Feldern unterwegs sind, bekommen die wenigsten dieses faszinierende Wildtier jemals zu Gesicht. Der Dachs lebt äußerst verborgen und verlässt seinen Bau meist erst in der Dämmerung oder nachts.
Mit seinem markanten schwarz-weiß gestreiften Gesicht ist der Dachs unverwechselbar. Als größtes heimisches Mitglied der Marderfamilie kann er bis zu zwölf Kilogramm wiegen. Trotz seines kräftigen Körperbaus ist er jedoch friedlich und meidet den Menschen konsequent. Die Vorstellung vom aggressiven oder gefährlichen Dachs gehört daher eindeutig ins Reich der Mythen.
Auch bei seiner Ernährung gibt es einige Missverständnisse. Viele glauben, Dachse seien vor allem Jäger. Tatsächlich sind sie Allesfresser. Regenwürmer bilden oft den größten Teil ihrer Nahrung. Daneben stehen Käfer, Schnecken, Früchte, Wurzeln und gelegentlich kleine Wirbeltiere auf ihrem Speiseplan. Die frischen Grabstellen auf Wiesen und Streuobstflächen sind meist ein Zeichen dafür, dass der Dachs auf der Suche nach Regenwürmern unterwegs war.
Ein weiteres Vorurteil: Dachse seien schmutzige Tiere. Das Gegenteil ist der Fall. Sie gehören zu den saubersten Wildtieren Europas. Ihre Schlafkammern werden regelmäßig mit frischem Gras oder Laub ausgepolstert, und ihre Toiletten legen sie außerhalb ihres Baus in eigens gegrabenen kleinen Mulden an.
Dachsbaue, auch Dachsburgen genannt, werden oft über viele Generationen genutzt und ständig erweitert. Sie können zahlreiche Eingänge besitzen und über Jahrzehnte, manchmal sogar über hundert Jahre, bestehen bleiben. Verlässt eine Dachsfamilie ihren Bau, wird dieser häufig von Füchsen oder anderen Wildtieren übernommen.

Der Dachs erfüllt außerdem eine wichtige Aufgabe in unserem Ökosystem. Durch seine Grabtätigkeit lockert er den Boden, verteilt Pflanzensamen und schafft Lebensräume für viele andere Tierarten.
Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich seine Spuren auch ohne direkte Begegnung entdecken. Typisch sind kräftige Fußabdrücke mit langen Krallen oder schmale Wechsel, auf denen der Dachs regelmäßig zwischen Bau und Nahrungssuche unterwegs ist.
Die Aufnahme von Dr. Hartmut Link zeigt einmal mehr, wie vielfältig und faszinierend die Natur direkt vor unserer Haustür ist. Vielleicht entdecken auch Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang Spuren dieses scheuen Waldbewohners – denn oft verraten seine Fährten mehr als das Tier selbst.


