Manchmal zeigt uns die Natur, wie vergänglich selbst alte und prächtige Bäume sein können. Nach einem der vergangenen Unwetter stürzte ein alter Birnbaum in der Rauenberger Gemarkung um. An seinem Stamm war seit einigen Jahren ein Hornissenkasten des VfN angebracht. Glücklicherweise blieb der Nistkasten unbeschädigt und konnte an einem geeigneten Standort wieder aufgehängt werden.
Der Vorfall erinnert uns daran, wie wichtig künstliche Nisthilfen für unsere heimischen Hornissen geworden sind. Alte Bäume mit natürlichen Höhlen werden immer seltener. Gerade in aufgeräumten Wäldern und Streuobstwiesen fehlen oft geeignete Brutplätze. Mit speziellen Hornissenkästen helfen wir dabei, diesen Mangel auszugleichen und einer geschützten Tierart einen sicheren Nistplatz zu bieten.
Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) genießt besonderen Schutz und wird dennoch häufig missverstanden. Viele Menschen halten sie für besonders aggressiv oder gefährlich. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Hornissen sind friedliche Tiere, die Menschen möglichst aus dem Weg gehen. Sie verteidigen ihr Nest nur, wenn sie unmittelbar bedroht werden. Wer ausreichend Abstand hält, hat nichts zu befürchten.
Ein weiteres Vorurteil lautet, Hornissen seien gefährlicher als Wespen. Auch das stimmt nicht. Ihr Stich ist zwar schmerzhaft, aber nicht giftiger als der einer Wespe oder Honigbiene. Für gesunde Menschen besteht in der Regel keine besondere Gefahr. Kritisch wird es – wie bei allen stechenden Insekten – lediglich bei Allergikern.

Dabei leisten Hornissen einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Gleichgewicht. Ein einziges Hornissenvolk erbeutet täglich mehrere hundert Insekten, darunter Fliegen, Mücken und auch Wespen. So helfen sie auf ganz natürliche Weise dabei, Schadinsekten und lästige Plagegeister zu reduzieren. Gleichzeitig tragen sie beim Besuch von Blüten auch zur Bestäubung verschiedener Pflanzen bei.
Hornissenvölker bestehen übrigens nur für einen Sommer. Im Herbst stirbt das gesamte Volk ab. Lediglich die jungen Königinnen überwintern an geschützten Orten und gründen im folgenden Frühjahr ein neues Nest. Die alten Nester werden nicht wieder bezogen und können daher im Winter problemlos gereinigt oder umgesetzt werden.
Der neue Standort unseres Hornissenkastens bietet hoffentlich schon bald wieder einer jungen Königin ein Zuhause. Vielleicht zieht bereits im kommenden Frühjahr neues Leben ein.
Mit solchen Maßnahmen möchte der Verein für Natur- und Vogelschutz Rauenberg einen kleinen Beitrag zum Erhalt unserer heimischen Artenvielfalt leisten. Oft sind es schon einfache Hilfen wie ein Nistkasten oder eine erhaltene Baumhöhle, die darüber entscheiden, ob geschützte Arten auch künftig in unserer Gemarkung eine Heimat finden.


